Halle international

letzte Aktualisierung: 22.01.2017

Foto: Martin Schramme

Zu den zehn beliebtesten Städten im Ranking des US-amerikanischen Reisemagazins "Travel+Leisure" gehörte im Jahr 2015 die Stadt Siem Reap in Kambodscha. Im Jahr 2008 hatte Siem Reap 230.000 Einwohner und war damit fast exakt so groß wie Halle an der Saale im Jahr 2015. Es wäre also an der Zeit, dass Travel+Leisure Halle entdeckte.

Perladesa zeigt, für welche Nationalitäten Halle an der Saale besonders interessant ist.

Araber
Halle ist halal, zumindest für Autofahrer, denn das Autokennzeichen für Halle (HAL) lässt sich prima mit den Buchstaben AL zu HAL-AL kombinieren. Außerdem erinnert das Wappen mit Halbmond und Stern sehr an Symbole aus dem Orient.

Argentinier
Ja, eigentlich kommt der verwegene Tanz aus den Straßen von Buenos Aires, aber schon seit etlichen Jahren ist der Tango Argentino eine feste Größe in Halle mit Tanzschulen und Milongas.

Brasilianer
Kaum zu glauben: Aber die 6000 Kilometer von Brasilien bis nach Halle waren kein Hindernis für den Kampftanz Capoeira, um es in die Händelstadt an der Saale zu schaffen.

Chilenen
Halle war die Geburtsstadt von Margot Honecker, geb. Feist (1927-2016), der Frau von DDR-Staatschef Erich Honecker, unter dessen Führung Menschen vor dem faschistischen Pinochet-Regime seit 1973 in Chile in die DDR fliehen konnten. Vorher hatte sich die DDR mit dem Sozialisten Salvador Allende solidarisch erklärt.

Chinesen
Nach dem Ende der DDR 1990 erlebte die Gastronomie in Halle einen kompletten Umschwung. Zahlreiche China-Restaurants öffneten. Dabei handelte es sich in der Regel um Vietnamesen, die als Gastarbeiter zu Tausenden in die DDR gekommen waren und auf der Suche nach neuer Arbeit auf die Idee kamen, das populärere China für ihre Geschäfte zu nutzen. Im Jahr 2013 startete das chinesische Unternehmen Greatview seine Getränkekarton-Produktion im Star Park an der Autobahn A 14 an der Stadtgrenze von Halle. 2016 war Greatview weltweit die Nummer 2 dieses Geschäfts.

Cubaner
Etliche Kubaner kamen als Gastarbeiter in die DDR und arbeiteten unter anderem in den Chemiewerken Leuna und Buna, womit viele von ihnen automatisch in Halle oder Halle-Neustadt (seit 1990 zu Halle vereint) wohnten. 1972 besuchte Cubas damaliger Staatschef Fidel Castro Leuna und Halle-Neustadt. In Neustadt besichtigter unter anderem den Panzerzug der Arbeiter aus Leuna, der bis 1990 im Bildungszentrum am Stadion in Neustadt stand. In den 1990er Jahren etablierte sich der in Cuba sehr populäre Tanz Salsa auch in Halle. Wegen der heißen Rhythmen, der Fröhlichkeit und Unkompliziertheit zieht die Salsa seitdem vor allem junge Menschen an, aber auch die Zahl der Fans im reiferen Alter ist bemerkenswert.

Dänen
Halle und Dänemark waren einst verbunden in der Dänisch-Halleschen Mission, dem ersten organisierten Missionsunternehmen der protestantischen Kirche, die in Tranquebar, auf dem Territorium der dänischen Handelsgesellschaft, ihr Zentrum fand. Besucher der Franckeschen Stiftungen zu Halle an der Saale können mehr darüber erfahren.

Engländer
Halles größter Sohn, der Komponist Georg Friedrich Händel, hat die längste Zeit seines Lebens in England verbracht. Nebenbei reichen die Wurzeln der Urahnen des englischen Königshauses bis nach Wettin und dieses Örtchen im Saalekreis ist von Halle saaleabwärts nicht weit entfernt. Besucher des halleschen Marktplatz dürfen sich zur vollen Stunde wie in London fühlen, denn vom Roten Turm dringt der Glockenschlag des Big Ben. Das Beatles-Museum am Alten Markt in Halle erinnert an eine der bekanntesten und erfolgreichsten Pop-Bands aus England.

Franzosen
Im Domviertel finden Franzosen Spuren, die nach Frankreich führen. Denn von den Hugenotten, die im 17. Jahrhundert vor dem Klerus aus Frankreich flohen, kamen einige nach Halle und zogen an den Dom. Von 1806 bis 1813 stand Halle unter der Herrschaft der Franzosen. Die Stadt gehörte zu den Eroberungen des Europafeldzuges von Napoleon Bonaparte.

Ghanesen
Auf dem Gebiet des heutigen Ghana geboren wurde Anton Wilhelm Amo, der erste bekannte Philosoph und Rechtswissenschaftler afrikanischer Herkunft in Deutschland. Amo studierte und promovierte in Halle an der Saale.

Inder
Die Franckeschen Stiftungen zu Halle an der Saale beteiligten sich vor mehr als 300 Jahren an einer Mission in Indien. Schriften aus Indien sind so auch in der Kunst- und Naturalienkammer der Stiftungen zu finden.

Italiener
Menschen, die über Halles Marktplatz schlendern, dürfen sich mit Blick auf den Roten Turm ein wenig wie in Italien fühlen. Denn freistehende Glockentürme sind in Italien weit verbreitet, in Deutschland selten.

Japaner
An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) gibt es einen Lehrstuhl Japanologie. Frau Professor Folyanty Jost hat ihn aufgebaut. Die Uni hatte seit 1990 wiederholt Kontakte zu Universitäten in Japan, unter anderem zur Reitaku-Universität.

Österreicher
Seit 1975 ist Linz Halles Partnerstadt in Österreich. Warum nicht einmal zum Gegenbesuch ansetzen? In Halle lebt und arbeitet zudem die sympathische Schauspielerin Andrea Ummenberger aus Linz. Mit ihrer Theaterserie über Männer und Frauen ("Einen Mann kann ich mir nicht leisten", "Ein Mann und dann") hat sie in Halle Furore gemacht.

Russen
Die Canstein Bibelanstalt, die älteste Bibelanstalt der Welt, hat in ihrem Hause auf dem Gelände der Franckeschen Stiftungen zu Halle an der Saale eine russisch-orthodoxe Kapelle. In der Kunst- und Naturalienkammer finden Russen Utensilien, die von Jüngern des Pietisten August Hermann Francke nach Halle verbracht wurden. Im Pestalozzi-Park finden Russen zudem eine Huldigung der Sowjetunion und des Kommunismus, auf dem Südfriedhof unter anderem ein Denkmal von Alexander Matrossow (Held der Sowjetunion). Georg Cantor, im 19. Jahrhundert an der Universität Halle der Begründer der Mengenlehre, wurde 1845 in St. Petersburg geboren. 1813 befreiten Russen und Prußen Halle von der Herrschaft der Franzosen. Im Juli 1945 kamen sowjetische Truppen ("Russen") nach Halle, um die Stadt von den US-Amerikanern zu übernehmen. 1993 zogen die letzten russischen Soldaten aus Halle ab. Mit Ekaterina Leontjewa hat sich in Halle eine ausgezeichnete, russische Organistin niedergelassen, die sich für die Kultur und den interkulturellen Austausch sehr engagiert.

Schweden
1632 standen Schweden im Zuge des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) bei Lützen (Sachsen) in einer blutigen Schlacht. An ihrer Spitze: König Gustav II. Adolf. Das Landesamt für Denkmalpflege hob die Gebeine von 47 Toten dieser Schlacht komplett mit der Erde, in der sie lagen aus und präparierte sie für eine Sonderausstelle, die in Halle an der Saale von November 2015 bis Mai 2016 zu sehen war.

Senegalesen
Der erste Abgeordnete im Deutschen Bundestag mit Wurzeln in Schwarzafrika, Karamba Diaby, hat seit Jahrzehnten seinen Wohnsitz in Halle, ist aber im Senegal geboren und aufgewachsen.

Vietnamesen
Viele Vietnamesen kamen als Gastarbeiter/Vertragsarbeiter in die DDR und so lebten viele von ihnen auch in Halle an der Saale. Als die US-Amerikanische Regierung das sozialistische Vietnam mit Bomben, Tod und Terror überzog, solidarisierten sich auch viele Hallenser mit dem südost-asiatischen Land, das die Liste der friedfertigsten Länder der Welt anführt. Der bekannteste Vietnamese aus Halle heiß Chu-Tan Cuong, ist Kung-Fu-Meister, hat seine eigene Kampf- und Atemtechnik entwickelt, hat eine eigene Kampfschule aufgebaut und das Jugend-Showprojekt "Fight on Stage". Mit seinen Kampfkunststücken hat es Chu-Tan Cuong mehrfach in das deutsche Fernsehen und das Guinnessbuch der Rekorde gebracht.

US-Amerikaner
US-Amerikaner finden in Halle Erinnerungen an die Timberwölfe, jene Einheit, die im April 1945 den Nationalsozialismus in Halle beendete. Stefan Goschupf, der CEO (Chef) von Datameer, einem der innovativsten Unternehmen der Welt, und einer der Pioniere der Big-Data-Welt, kommt aus Halle an der Saale und hat dort nach wie vor eine Filiale. Frederick Augustus Conrad Muhlenberg, einer der Mitunterzeichner der US-Amerikanischen Verfassung, besuchte die Latina-Schule der Franckeschen Stiftungen und die Friedrichs-Universität zu Halle an der Saale. Der Maler Lyonel Feininger, geboren und gestorben in New York, lebte von 1929 bis 1931 in Halle und hinterließ mit elf chrakteristischen Bildern von der Stadt einen bleibenden Eindruck.

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