Laternenfest in Halle

Text und Foto: Martin Schramme, zuletzt aktualisiert am 03.09.2016

Seit 1928 erlebt Halle an der Saale in der Regel jedes Jahr einmal im Spätsommer das Laternenfest. Initiator war der Halleschen Wirtschafts- und Verkehrsverbund. Wesentliche Elemente des Laternenfestes kommen von den Halloren, Halles Salzsiedern. Dazu gehörten 2016 das Fischerstechen (Männer mit Stangen müssen sich gegenseitig vom Boot in den Fluss stoßen), das Saaleschwimmen und das Brückenspringen. Sehr beliebt bei den Hallensern und ihren Gästen sind auch der Bootscorso, das Entenrennen sowie das Setzen von schwimmenden Lichtern in die Saale (Glühwürmchen). In den 1930er Jahren gab es zum Laternenfest Anstecknadeln als Andenken, in den 1960er Jahren Plaketten.

Laternenfest 2016
Menschenmasse aus Halle und dem weiten Umland ergossen sich an drei Tagen auf die Freiflächen zwischen Giebichenstein und Halle-Neustadt. Drei Tage lang erlebten sie das große Volksfest bei Affenhitze. Echte Höhepunkte waren der Auftritt der Gruppe Keimzeit, am Samstag gegen 22 Uhr das traditionelle Feuerwerk rund um die Burg Giebichenstein und am Sonntag die Premiere des Springens von der Giebichensteinbrücke. Kröllwitzer Brücke.

Feuerwerk
Überall sind große und kleine Schiffe auf der Saale unterwegs. Mit der Beleuchtung der Häuser in Kröllwitz, auf der Burg Giebichenstein und auf den Festgeländen am Fluss bilden sie ein Lichtmeer. Diesmal beginnt die Kanonade ohne große Boom-Boom zum Auftakt. Mit viel Geknatter und Gewummer erleuchtet das von der Burg Giebnichenstein verschossene Feuerwerksmaterial den halleschen Nachthimmel. Wie Nebelschwaden legt sich der Pulverdampf ins Saaletal.

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Brückenspringen
Wasser 23 Grad, Luft 34. Menschenmassen rechts und links der Saale schauen gespannt auf die Giebichensteinbrücke. Zum Laternenfest 2016 in Halle an der Saale (Perladesa) wollen mutige Männer mehr als zehn Meter tief in die Saale springen. Die Wassertiefe beträgt an diesem 28. August 2016 an dieser Stelle fünf Meter, sagt ein Mann von der Wasserwacht. Seine Leute sind mit einem Boot in Bereitschaft, um die Sprünge abzusichern. Es ist kurz nach 13.30 Uhr. Der erste Mann steht zum Sprung bereit. Christian zeigt eine Kerze. Für ihn wie für alle nachfolgenden Springer gilt: nur fußwärts getauchte Sprünge. Unter teilweise historischer Kostümierung rauscht ein Mann nach dem anderen in die Tiefe und kracht mit rund 50 Stundenkilometer in die Saale. Salti sind zu sehen und schließlich Hocken und diverse andere Figuren. Initiator Andreas Wels, Hallenser und Olympiasieger im Turmspringen, springt noch ein zweites Mal. Diesmal ohne Neopren-Anzug. Zum Schluss stürzen sich vier Springer für einen (Wasser)Bombenteppich in die Tiefe.

Halle - die Wiege des olympischen Wasserspringens
Einst waren es die Halloren, also Halles Salzsieder, die von Brücken sprangen. Die Kröllwitzer, auch Giebichensteinbrücke genannt, kam dafür freilich erst ab 1892 infrage, denn bis dahin konnten Reisende zwischen Giebichenstein und Kröllwitz nur mit einer Fähre und ab 1870 vermittels einer Pontonbrücke übersetzen. 1840 begann die Gemeinschaft "Tychische Frösche", benannt nach dem Hallore Tychy, das Springen zu systematisieren. Innerhalb weniger Jahre entstand ein Katalog von 89 verschiedenen Sprüngen mit zehn verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Um 1900, sagt Olympia-Medaillen-Gewinner Andreas Wels, waren die deutschen Wasserspringer weltweit führend.

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme