Unwetterschäden in Halle: Schauburg-Projekt gefährdet
Lagebericht von Martin Schramme | letzte Aktualisierung: 26.08.2011, 07:38 Uhr

Bei einem Unwetter in der Nacht zum 25. August 2011 ist die Schauburg in Halle schwer getroffen worden. Das Foto entstand einige Tage zuvor. | Foto: Martin Schramme, August 2011

Foto: Martin Schramme | Ein Verein will die Schauburg in Halle Saale retten. Ein Unwetter in der Nacht zum 25. August 2011 hat zu schweren Schäden geführt und bedroht das Vorhaben, das historische Gebäudeensemble zu retten und als freie Bühne zu nutzen.

Wie Nico Käfer vom Verein zur Förderung der freien Kulturlandschaft Sachsen-Anhalts e.V. sagt, wurde die Schauburg vom Gewittersturm schwer getroffen. Etliche Dachteile sind in der Umgebung verstreut gefunden worden. Das Dach des großen Saales, in dem von 1927 bis 1963 Kinofilme liefen, wurde vom Unwetter weiter abgedeckt. Zuvor hatte es bereits einige undichte Stellen gegeben (siehe das vor dem Unwetter entstandene Foto). Die eindringende Feuchtigkeit hat die Bausubstanz schon in den vergangenen Jahren schwer geschädigt. So ging die groß Stuckdecke fast vollständig verloren. Nun ist das Vorhaben, die historische Freizeit-, Sport- und Unterhaltungsstätte in der Großen Steinstraße zu retten, in Gefahr. Die maroden Dächer müssen dringend gesichert werden. Jedwede Unterstützung ist willkommen.
Ebenfalls beeinträchtigt sind das laufende Kulturprogramm und die geplanten Führungen über das Gelände am Tag des offenen Denkmals am 11. September 2011.

Augenzeugen des Unwetters berichteten, dass starke Winde im Stadtgebiet Halle für zahlreiche Zerstörungen sorgten. Zäune wurden umgerissen, ein Schornstein fiel auf die Straße, Mülltonnen wurden auf Fahrzeuge geschleudert, Bäume verloren Blätter, Äste und Zweige oder fielen komplett um. Es kam zu etlichen Überflutungen. Teilweise peitschte der Regen so intensiv vom Himmel, dass Autofahrer anhalten mussten, weil sie nichts mehr sahen. Telefon und Fernsehen fielen zeitweise aus. Vor allem die Kanäle des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens waren von Ausfällen betroffen.

Und das berichtete die Polizei am Donnerstag (Polizeibericht wörtlich): "Starkes Unwetter sorgte in der vergangenen Nacht nicht nur für die Feuerwehr, sondern auch für die Polizei in Halle für etliche Einsätze. Bis weit nach Mitternacht waren die Beamten rund um die Uhr unterwegs. In vielen Straßen fielen Bäume auf parkende Pkws, so zum Beispiel in der Carl-Zeiss-Straße, in der Wörmlitzer Straße, in der Richard-Paulick-Straße, in der Ernst-Grube-Straße, im Lortzingbogen, in der Halberstädter Straße, in der Seebener Straße, in der Akeleistraße, in der Max-Lademann-Straße und Am Tagebau. Bei zirka 20 Einsätzen blockierten umgestürzte Bäume die Fahrbahnen, zum Teil auch die HAVAG, wie zum Beispiel in der Elsa-Brändström-Straße, in der Seebener Straße oder aber auch in der Torstraße. Dort stürzte ein Baum auf die Oberleitung der Straßenbahn. Die Unterführung der B80 am Rennbahnkreuz musste wegen Überflutung zwischen 22:40 Uhr und 23:05 Uhr für den Fahrzeugverkehr gesperrt werden. In der Philipp-Müller-Straße mussten mehrere Pkws wegen eines Baumes, welcher umzufallen drohte, umgesetzt werden. Auf der B80, am Ende der Schallmauer, ist gegen 23:00 Uhr durch einen umgestürzten Baum die Leitplanke durchbrochen worden. Erst 00:30 Uhr war die B80 wieder frei.
Und auch die Polizei blieb vom Unwetter nicht verschont. Von 21:00 Uhr bis 22:20 Uhr fiel die Telefonanlage im Polizeirevier Halle aus: Das Revier war telefonisch nicht mehr erreichbar, die Revierkommissariate waren davon jedoch nicht betroffen."

Nachtrag vom 15.01.2017: Nach dem schweren Sturm Ende 2011 wurde das Vorhaben der Wiederbelebung der Schauburg aufgegeben. Im Herbst 2012 ging die Werkleitz-Gesellschaft mit einem Videoprojekt in das Gebäude. Seitdem ist es ruhig geworden um das Objekt.