Halle in der NS-Zeit

Daten ab 1932 | letzte Aktualisierung: 17.02.2017

Der Nationalsozialismus, also die Zeit vom 30. Januar 1933 bis zum 8. Mai 1945, ist auch an Halle nicht spurlos vorbeigegangen. In Halle wurden Waffen hergestellt (u.a. Flugzeuge, Raketen, Giftgas), KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter gequält, Juden und Kommunisten verfolgt und deportiert wie in jeder anderen Stadt während der NS-Zeit. Halle hatte ein Außenlager des nicht zuletzt wegen seines prominenten Häftlings Ernst Thälmann bekannt gewordenen KZ Buchenwald. Und der Kopf der so genannten "Endlösung der Judenfrage", Reinhard Heydrich, war (leider!) ein Hallenser.

Halle gehörte zum Gau Halle-Merseburg.

Chronik des Nationalsozialismus in Halle

20.04.1932: Adolf Hitler spricht auf der Pferderennbahn vor 120.000 Menschen.

22.10.1932: Adolf Hitler tritt in einem Zelt für 30.000 Menschen auf dem Sarassani-Platz auf.

18.12.1932: Adolf Hitler ist Gastredner auf der Amtswalter-Versammlung des Gaues Halle-Merseburg der NSDAP in Halle. Er spricht im Stadtschützenhaus vor 2000 Leuten.

27./28.02.1933: SA- und SS-Leute überfallen den Volkspark, das Gewerkschaftshaus und den KPD-Sitz und verschleppen willkürlich Menschen, die sie im Unterschungsgefängnis, im Keller der Möbelhandlung Martick (Alter Markt) und in der Mühle der Firma Ronneburg (Mühlgraben 8/9) einsperren.

05.03.1933: Zu den Reichstagswahlen erhält die NSDAP im Stadtkreis Halle fast 44 Prozent der Stimmen. Die KPD als zweitstärkste Kraft bekommt rund 23 Prozent.

11.04.1933: Im Stadtschützenhaus werden die neuen Stadtverordneten, in der Mehrzahl NSDAP-Mitglieder, durch den neu eingesetzten Oberbürgermeister Johannes Weidemann eingeführt und verpflichtet.

12.05.1933: Auf dem Universitätsplatz in Halle werden Bücher verbrannt, die als undeutsch gelten. Halle ist eine von 70 Städten im Deutschen Reich, in denen 1933 Bücher brennen.

Oktober 1933: Gauparteitag in Halle.

14.10.1933: Das "Museum der nationalen Erhebung" wird eröffnet. Gauleiter Rudolf Jordan hatte die Idee dazu.

10.11.1933: Halles Universität bekommt den Name Martin Luthers. Bis dahin hatte die Uni den Namen ihres Initiators Friedrich I. von Preußen (1657-1713) getragen. Luther ist wegen seiner schweren verbalen Angriffe gegen die Juden bei den NS-Oberen beliebt.

19.02.1934: Für das gesamte Deutsche Reich sind 400 Thingplätze als kultische Versammlungsorte germanischen Brauchtums geplant. In den Brandbergen von Halle-Kröllwitz erfolgt der erste Spatenstich für einen solchen Platz.

01.05.1934: Der Thingplatz in Halle mit über 5000 Plätzen wird übergeben. Zu dem Zeitpunkt gibt es zehn in Deutschland.

06.10.1934: Auf der Strecke Halle-Magdeburg wird ein Zug erstmals von einer E-Lok gezogen.

1934: Das Hauptwerk der Siebel-Flugzeug-Werke entsteht in Halle-Mötzlich. Eine alte Rüstungsstätte aus dem Ersten Weltkrieg wird reaktiviert.

14.01.1935: Felix Graf Luckner hält einen dreistündigen Vortrag beim Kaufmännischen Verein in Halle.

21.11.1935: Richtfest der Heeres- und Luftnachrichtenschule Halle am südlichen Rand der Heide. Die Straße, die dorthin führt, trägt den Namen von Hermann Göring, der seit Mai 1935 Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe ist.

20.04.1937: Joachim Albrecht Eggeling wird neuer Gauleiter in Halle (Gau Halle-Merseburg).

10.11.1938: Die Synagoge in der Brauhausstraße wird geplündert, zertrümmert und in Brand gesteckt. Es ist kein Zufall, dass das am Geburtstag Martin Luthers passiert. Denn in seiner Schrift "Von den Juden und ihren Lügen" von 1542 hatte er gefordert, dass man die Synagogen und Schulen der Juden verbrennen und mit Erde überhäufen, den Juden den Gang auf die Straße verwehren und sie aus dem Land werfen solle.

1939: Der Verlag Max Niemeyer in Halle veröffentlicht das Buch "Neugeburt Europas als werdende Geschichte" von Alfred Rosenberg.

1939: Auf dem Gelände des Schlacht- und Viehhofes Halle wird ein neues Gefrierhaus in Betrieb genommen.

30.06.1939: Nachrichten-Einheiten beziehen in Halle Quartier.

01.10.1939: Panzerjäger beziehen in Halle Quartier.

Sommer 1941: Alle Juden im Reich, auch in Halle, werden in Arbeits- und Wohnlager zwangsumgesiedelt und konzentriert. Das hallesche Lager befindet sich an der Boelckestraße.

1942: Um die Universitätsprofessoren Theodor Lieser, der seit 1939 für die deutsche Rüstungsindustrie geforscht hatte und jahrelang straffer Nationalsozialist war (1934 Eintritt in die SA, 1937 Eintritt in die NSDAP), und Walter Hülse bildet sich der Gesprächskreis "Anti-Nationalsozialistische Bewegung" (ANB).

1942: Halle steht auf einer Liste von 50 deutschen Städten, die der Chef des britischen Bomberkommandos, Arthur Harris, dem Erdboden gleich machen will.

01.06.1942: Der erste Todeszug aus Halle bringt Juden in das Vernichtungslager Sobibor.

04.06.1942: Der in Halle Saale geborene Leiter des Reichssicherheitshauptamts (RSHA), Reinhard Heydrich, stirb an den Folgen eines Anschlages auf ihn am 27. Mai in Prag.

19.09.1942: Die meisten der 90 Juden des Arbeits- und Wohnlagers an der Boelckestraße werden deportiert.

02.01.1943: Die fünfte SS-Baubrigade nimmt ihre Arbeit auf. Sie fertigt unter anderem Teile für die V-Waffen-Produktion.

13.03.1943: Fabian von Schlabrendorff, Leutnant der Reserve und ehemals im Generalstab in der Heeresgruppe Mitte an der Ostfront, macht eine Bombe scharf, die getarnt in einer Box Cointreau als Geschenk in einer Focke-Wulf Fw 200 mitfliegen wird, mit der Hitler von der Ostfront nach Rastenburg zurückkehrt. Die Bombe explodiert nicht, offenbar wegen der Kälte im Frachtraum des Flugzeugs. Nach dem Scheitern des Anschlags wird von Schlabrendorff die heiße Fracht wieder austauschen.

1943: Aus Angst vor Luftangriffen beginnt die Leopoldina damit, ihren Bücherschatz in einem alten Kalistollen bei Wansleben am See einzulagern. siehe auch hier

September 1943: Der Reichsjugendführer Artur Axmann ist zum "Tag der Wehrertüchtigung" in Halle.

Juli 1944: Die Gestapo verhaftet den Arzt Walter Hülse wegen Kontakten zu den Verschwörern des 20. Juli (Attentat auf Hitler in Rastenburg). Auch Fabian von Schlabrendorff wird als "Volksverräter" verhaftet.

07.07. und 16.08.1944: Die Siebel-Flugzeug-Werke im Nordosten der Stadt werden bei Luftangriffen massiv beschädigt, wo fieberhaft an dem Strahlflugzeug "DFS 346" gearbeitet wird.

27.02.1945: Die Amerikaner bombardieren Halle aus 314 Flugzeugen.

31.03.1945: Es ist Ostersamstag. Der 501. Fliegeralarm seit Kriegsbeginn wird ausgelöst. 369 "Fliegende Festungen" (B-17) werfen Bomben auf Halle. Schwer getroffen werden unter anderem das Rathaus, die Ratswaage und die Hallesche Maschinenfabrik & Eisengießerei AG (Maschinenfabrik / Mafa).

06.04.1945: Erneut fallen Fliegerbomben auf Halle.

13.04.1945: Kampfkommandant Rathke lehnt das Ersuchen von Gauleiter Eggeling und OB Weidemann ab, Halle nicht zu verteidigen.

14.04.1945: Die amerikanische 104. Infantriedivision, die "Timberwölfe", erreicht Halle-Kröllwitz. Der Stadtkommandant von Halle lässt daraufhin alle neun Saale-Brücken sprengen (Hafenbahnbrücke, Genzmerbrücke, Siebenbogenbrücke, Gimritzer Gutsbrücke, Peißnitzbrücke, Schwanenbrücke und Giebichensteinbrücke). In Halle befinden sich 35.000 Flüchtlinge und 25.000 Verwundete. Die Amerikaner werden in verlustreiche Straßenkämpfe vermittelt, weswegen ihr General Terry de la Mesa Allen Flugblätter mit dem Ultimatum "Übergabe oder Vernichtung" abwerfen lässt.

15.04.1945: Der NSDAP-Gauleiter des Gaus Halle-Merseburg und Oberpräsident der Provinz Merseburg, Joachim Albrecht Eggeling, erschießt sich auf der Moritzburg. Zuvor hatte er massiv unter dem Druck der reichsdeutschen NSDAP-Parteiführung gestanden, weil er die Verteidigung Halles gegen die Amerikaner nicht mittragen wollte.

16.04.1945: Die Gruppe Lieser druckt in der Nacht 10.000 Flugblätter, die der Bevölkerung das massenhafte Hissen der weißen Flagge empfiehlt. Am Nachmittag fährt Luckner auf Bitten Weidemanns zu General Allen. Luckner und der pensionierte Luftwaffenmajor Karl Huhold gelingt es nach zähem Ringen, einen Aufschub des angedrohten Bombardements um zwöf Stunden auszuhandeln. Die Bedingungen für den Aufschub kann Luckner allerdings nicht selbst an Rathke überbringen, da er nach reichlich Alkoholgenuss dazu nicht in der Lage war. (Quelle: "Gutachten zur Einschätzung der Person Felix Graf von Luckner (1881-1966) hinsichtlich Straßenbenennung in der Stadt Halle (Saale)", Alexander Sperk, Daniel Bohse, zweite Fassung vom 1. Juni 2007)

19.04.1945: Amerikanische Truppen sind im gesamten Stadtgebiet. Für Halle ist der Krieg zu Ende. Zuvor ist Kampfkommandant Rathke mit 600 Soldaten abgezogen und erfolgreich aus dem Belagerungsring ausgebrochen.

27.04.1945: Die Amerikaner erlauben die Öffnung des halleschen Bergzoos.

Bilanz des Zweiten Weltkrieges in Halle (Saale): mehr als 500 Fliegeralarme, 1000 Tote, 13.000 zerstörte Wohnungen, große Schäden an 400 Betrieben und Kultureinrichtungen wie dem Stadttheater, 300.000 Kubikmeter Schutt, geschätzer Gesamtschaden in Höhe von 90 Millionen Euro.

Lager und Zwang
Schutzhaftlager in Merseburgerstraße und Paracelciusstraße, Außenlager des KZ Buchenwald in der Boelckestraße.

Beiträge zur NS-Zeit
Giftgas-Produktion in Ammendorf (1950 nach Halle eingemeindet)

Adreßbuch aus der NS-Zeit
Hallesches Adressbuch von 1941

Aus der Jubiläumsausgabe der Hallischen Nachrichten vom 21.03.1939

Blickt man von der hohen Warte, auf die das Dritte Reich und seine Bewegung die Zeitung als eines der mächtigsten Organe der Volks- und Staatsführung und die an ihr tätigen Persönlichkeiten als Volkserzieher gestellt haben, über die letzten fünf Jahrzehnte bis zu jenem 21. März 1889 zurück, als die Hallischen Nachrichten unter dem Namen „Generalanzeiger für Halle und den Saalkreis“ zum ersten Male erschienen, so ist ohne weiteres ersichtlich, dass der damals neue Zeitungstyp, der Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre in einer Reihe von größeren Provinzstädten von verschiedenen Verlegern ins Leben gerufen wurde, seine Mängel hatte. Aber diese Mängel lagen in den Zeitverhältnissen begründet. Wie alle diese Zeitungen war auch der von William Kutschbach, einem schon bewährten Zeitungsfachmann, ins Leben gerufene „Generalanzeiger“ im Sinne dieses Zeitungstyps ursprünglich als unpolitisches Blatt angelegt insofern, als jede Parteinahme von seinen Spalten ferngehalten wurde. Eine Selbstverständlichkeit aber war die nationale Haltung und die Beobachtung des Grundsatzes strengster Wahrhaftigkeit in der Darstellung der Ereignisse. So darf es heute noch als Verdienst der damals neu entstandenen hallischen Tageszeitung angesehen werden, dass durch die Art, wie sie dem Lesebedürfnis breiter Volksschichten entgegenkam, das Interesse dieser Kreise an den öffentlichen Dingen überhaupt geweckt wurde, während andererseits die Form, in der die politischen Fragen behandelt wurden, das Blatt mit den Jahren immer mehr zu einem starken Gegengewicht gegen die erst später aufkommende marxistische Presse machte. Nicht unerwähnt soll dabei bleiben, dass die Zeitung auch eine wichtige wirtschaftliche Funktion erfüllte. Ihr rasch wachsender Anzeigenteil erschloß dem Handel neue Wege der Kundenwerbung und eröffnete zugleich den Lesern allgemein eine bis dahin kaum gekannte Möglichkeit, auch ihrerseits in Angebot und Nachfrage an die Oeffentlichkeit zu treten.

Der erste Erscheinungstag der Hallischen Nachrichten, der 21. März 1889, fiel in eine Zeit, die, ohne dass es der damals auf der Höhe des Lebens stehenden Generation zum Bewusstsein kam, eine Schicksalswende für das deutsche Volk bedeutete. Mit dem Tode Kaiser Wilhelms I. und dem im März 1890 erfolgten Rücktritt Bismarcks war die Zeit der deutschen Einigungskriege und der Gründung des Kaiserreiches endgültig abgeschlossen. Das unter Preußens Führung geeinte Deutschland hatte als neue europäische Großmacht neben dem Habsburgerreich höchstes Ansehen und ein zunehmendes Gewicht bei der Entscheidung der Weltfragen erreicht. Aber leider besaßen die Nachfolger in der Reichsführung nicht die Kraft, diese Stellung zu behaupten. Ein politischer Niedergang setzte ein, der mit den Jahren immer fühlbarer wurde, geraume Zeit jedoch durch den gleichzeitigen wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands verhüllt blieb. Parallel mit der aufsteigenden politischen Entwicklung war schon unter Bismarck eine Entfaltung der wirtschaftlichen Kräfte des deutschen Volkes gegangen, die erst in den neunziger Jahren zu voller Stärke anwuchs und dann ein geradezu stürmisches Tempo annahm. Im Anschluß an die durch den Erfindergeist auf dem Gebiet der Elektrotechnik hervorgerufenen Wandlungen, wozu sich noch die gerade für Mitteldeutschland bedeutungsvolle Entwicklung der chemischen Großindustrie gesellte, setzte eine Hausseperiode fast der gesamten Wirtschaft ein, die mit geringen Rückschlägen bis gegen den Anfang des Weltkrieges anhielt. Auch die Industrialisierung in Halle und in dem die alte Salz- und Saalestadt umgebenden Bezirk erhielt dadurch einen starken Antrieb. Auch hier begann sich bereits in den neunziger Jahren der Lebensstil in einem Maße zu verändern, von dem sich nur diejenigen eine Vorstellung machen können, deren Erinnerung noch in die Zeit der Petroleumlampe und der Pferdebahn zurückreicht.

Die fortschreitende Technisierung und rasch um sich greifende Industrialisierung auch im hallischen Bezirk mit der dadurch bedingten Steigerung des Lebenstempos bewirkte es, dass die neue Zeitung rasch an Boden gewann. Die schnelle Zunahme der festen Leserzahl, die bereits nach zwei Monaten eine für die damalige Bevölkerungsziffer unserer Stadt von noch nicht 100.000 Einwohner ansehnliche Ziffer erreicht hatte, nämlich über 18.000, beweist, dass das Interesse breiter Volksschichten gewonnen war, die sich bis dahin von dem regelmäßigen Bezuge einer der älteren in Halle erscheinenden, auf bestimmte Parteien abgestempelten Zeitungen ferngehalten hatten. Damit war auch die Möglichkeit einer Einwirkung auf diese Volksteile im Sinne der nationalen Grundhaltung unseres Blattes geschaffen, woran es bisher gefehlt hatte. Diese Entwicklung vollzog sich anfangs ganz allmählich, um später ein immer stärkeres Tempo anzunehmen. Die Uebernahme des Verlages des Generalanzeigers durch August Huck, den Großvater des jetzigen Verlegers Dr. Hans Joachim Huck, im Januar 1910 bedeutete einen Wendepunkt in der Geschichte des Blattes. August Huck, eine im damaligen Zeitungswesen führende Persönlichkeit mit hervorragenden verlegerischen Fähigkeiten, gab den Impuls zu einer Umgestaltung des Blattes, deren Durchführung jedoch infolge seines allzu frühen Todes seinen Nachfolgern überlassen blieb. Als August Huck im Jahre 1911 starb, ging der Verlag auf die Witwe und seine Söhne über. Von diesen übernahmen Dr. Wolfgang Huck und Harald Huck die Zeitung. Nachdem Harald Huck im Jahre 1915 im Weltkrieg auf dem Felde der Ehre gefallen war, übernahm Dr. Wolfgang Huck allein die Leitung des Verlages und gab den Hallischen Nachrichten aus der Fülle seiner reichen Verlagskenntnisse das jetzige Gepräge. Durch umfassende Umbauten wurden neue Betriebsräume geschaffen, der Maschinenpark wurde modernisiert und erweitert und damit die Voraussetzung für gesteigerte technische Leistungen gegeben. Unter der Leitung des schon von August Huck verpflichteten Hauptschriftleiters erfolgte eine Neuorganisation des Textteiles der Zeitung, vor allem eine Ausgestaltung des politischen Teiles, die sehr bald auch auf die übrigen Teile erstreckt wurde. Eine in ihren Zielen stets nationale Politik bestimmte die Gesamthaltung des Blattes, ein Hauptgrundsatz blieb nach wie vor die völlige Unabhängigkeit von den im Streite liegenden Parteien. Der Kreis der Mitarbeiter der Hallischen Nachrichten wurde wesentlich erweitert, bald waren bedeutende Namen in ihren Spalten zu verzeichnen. Die systematische Durchbildung des kulturellen Teiles, die ausgiebige Erörterung der kommunalen Fragen und die Pflege des Wirtschaftsteiles, vor allem hinsichtlich des sich immer rapider entwickelnden mitteldeutschen Bereiches, endlich eine umfassende Auslandsberichterstattung durch eigene Korrespondenten in den wichtigsten Hauptstädten Europas trugen dazu bei, der Zeitung einen neuen Inhalt und ein neues Gewicht zu geben. Dieser Ausgestaltung des Blattes und der wachsenden Bedeutung, die es besonders auch in den Kriegsjahren erlangt hatte, wurde im Juni 1918 durch die Annahme des heutigen Titels Ausdruck gegeben. ("50 Jahre Hallische Nachrichten" von Konrad Pohl in "Land der Mitte" Jubiläumsschrift der Hallischen Nachrichten zum 21. März 1939)

Im Jahre 1932 war es. Zweimal traf Adolf Hitler in jenem entscheidungsschweren Zeitraum in der Saalestadt in riesiger Versammlung vor die Zehntausende hin. Bei einem dritten Aufenthalt sprach er in geschlossenem Kreise zu den Amtswaltern, Ortsgruppenleitern und Stützpunktleitern der NSDAP; das war wenige Wochen, bevor ihn der Reichspräsident zum Kanzler berief. Wir wollen hier versuchen, das Bild jener beiden öffentlichen Kundgebungen aufzuzeigen, soweit der beschränkte Raum dies gestattet.

Es ist eine Illustration der Not jener Tage, wenn in einer Ausgabe der Hallischen Nachrichten vom 21. April 1932, die ausführlich von der Hitler-Kundgebung des Vortages berichtet, in einer Notiz mitgeteilt wird, dass zu eben jener Zeit zwischen der Generaldirektion der Reichsbahn und den Vertretern der Reichsbahnarbeiter Verhandlungen über die Entlassung von 47.000 Arbeitern stattfanden, dass der Verkehrsrückgang zur Stillegung von 3500 Lokomotiven und 215.000 Eisenbahnwagen geführt hatte. Das war nur ein Symptom von vielen dafür, dass der Weg in den Abgrund völliger Ohnmacht und Verzweiflung führte. Daß es so nicht weitergehen konnte, spürte jeder im Volk. Nur darüber konnte man sich noch nicht einig werden, wer Deutschland aus dieser verhängnisvollen Lage herauszuführen vermöchte. Dreizehn Millionen allerdings hatten sich entschlossen, hatten sich bei der letzten Wahl zu Adolf Hitler bekannt. Etwa die doppelte Zahl stand ihm noch fern und kam doch nicht darum herum, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Nein, es war nicht mehr mit einer ablehnenden Geste getan. Und so war unter den Zehntausenden, die zu der Kundgebung des 20. April 1932 auf den Passendorfer Wiesen bei Halle zusammenströmten, neben den begeisterten Anhängern des Nationalsozialismus ein erheblicher Hundertsatz von Suchenden, von noch Unentschlossenen, von Andersgesinnten und auch von erbitterten Gegnern. Aus ganz Mitteldeutschland kamen sie.

Der Name Hitler, so berichten u.a. die Hallischen Nachrichten über den Aufmarsch zu dieser Kundgebung zur Preußenwahl vom 24. April 1932, hatte gewaltige Menschenmengen in Bewegung gesetzt. Schon in den frühen Stunden trafen auf dem Bahnhof die ersten Auswärtigen ein. Den Zügen folgten die Kraftomnibusse; ihre Reihenfolge verdichtete sich in den Vormittagsstunden. Geschlossene Trupps von Parteianhängern zogen bereits in den Frühstunden auf die Rennwiesen. Die Massenwanderung aber begann gegen 11 Uhr. Von Mittag ab verkehrte die Straßenbahn in kürzesten Abständen mit Sonderzügen … Um 14 Uhr flutete ein ununterbrochener Strom von Fußgängern, Kraftfahrzeugen und Radfahrern heran. Um 15 Uhr konnte man nur mühsam vorwärts kommen. Um 16 Uhr wurde durch Lautsprecher die Mitteilung gemacht, dass die Kundgebung um eine Viertelstunde verschoben werden müsse, da die Anfahrtsstraßen bis zum Leipziger Turm verstopft seien und man allen Gelegenheit geben wolle, der Kundgebung beizuwohnen. Aus der Viertelstunde wurde eine halbe Stunde. Gegen 16.45 Uhr wurde von dem Gauleiter Jordan die Kundgebung eröffnet. Adolf Hitler, der mit dem Flugzeug aus Königsberg kam, hatte wegen äußerst ungünstigen Flugwetters einige Verspätung. Wie sehr ihm seine Anhänger nicht nur als dem großen politischen Führer, sondern auch rein menschlich zugetan waren, davon legten Blumensträuße und Widmungen ein beredtes Zeugnis ab, die ihm aus Anlaß seines 43. Geburtstages dargebracht wurden; ein Tisch auf der Rednertribüne nahm sie auf. Und nun war es so weit. Adolf Hitler traf ein und wurde, von begeisterten Zurufen aus der Menge begrüßt, auf der Tribüne sichtbar: „gestrafft, barhäuptig, mit einem hellen Trenchcoat bekleidet“ – so schilderte ihn unser Bericht. Unerbittlich rechnete der Führer mit den damals regierenden Parteien und ihrer „Demokratie“ ab. Er stellte die NSDAP dar als die Bewegung, die erstmalig sämtliche Volksschichten erfasst hatte. Er sprach von der Kraft und Stärke der Volksgemeinschaft und wies vorausschauend darauf hin, dass die Zeit kommen werde, wo man es nicht verstehen könne, dass es eine Epoche des Standesdünkels und des Klassenkampfes gegeben habe und dass sich Deutsche verschiedener Berufsstände in innerem Hader bekämpft haben. Der Kampf um Preußen habe zum Ziel, dass dieser Staat, der einst für Deutschland die nationale Einigung herbeiführte, auch die soziale Einigung aller Deutschen durchsetzen werde.

Die Ausführungen waren nicht nur den Anhängern des Nationalsozialismus aus tiefem Herzen gesprochen, sie waren auch für viele, die voller Skepsis zu dieser Kundgebung gegangen waren, eine Offenbarung. Sie packten sie und rissen sie mit, dass sie sich, eben noch ablehnend, nun plötzlich an den Beifallsbekundungen beteiligten, die immer wieder aufklangen. „Als er – Adolf Hitler – sich mit erhobener Hand nach halbstündiger Rede von der Menge verabschiedete, antworteten ihm“ – so lesen wir in unserem Bericht – „die stürmischen Zurufe seiner Anhänger.“ Kein Zweifel, dass unter diesen Anhängern Tausende von neugewonnenen waren.

War diese Versammlung der weit über Hunderttausend zweifellos die bis dahin größte hallische Wahlkundgebung unter freiem Himmel gewesen, so stand sich am 22. Oktober 1932 eine gleichfalls noch nie in der Saalestadt erreichte Menge von Teilnehmern zu einer Hitler-Kundgebung im geschlossenen Raum zusammen. Auf dem sogenannten Sarassani-Platz war ein Zelt von riesigen Ausmaßen aufgestellt worden, dessen Fassungsvermögen auf 30.000 Menschen berechnet wurde. Die Gegner des Nationalsozialismus waren vor dieser Versammlung besonders eifrig am Werke gewesen. Man sah viele Fähnchen der KPD und der Eisernen Front. Unter die Tausende von Menschen, die die Merseburger Straße säumten, den Führer herzlich begrüßend, hatten sich Kommunisten truppweise eingeschoben; sie hatten sich in größeren Mengen zwischen Thüringer Straße und Huttenstraße zusammengeschart. Ihre Sprechchöre ließen Nieder-Rufe ertönen. Später durchschlug ein Saboteur den Zuleitungsdraht zur Lautsprecheranlage, so eine Pause in der Rede des Führers erzwingend, die allerdings nur kurze Zeit währte. (Anm.: Der Kommunist Franz Heyl soll das gewesen sein. Er starb 1936 im KZ. In der DDR wurde eine Straße in Halle nach ihm benannt.) In wirkungsvollem Gegensatz zu diesen feindseligen Demonstrationen stand die machtvolle Begeisterung, mit der Adolf Hitler von den Kundgebungsteilnehmern begrüßt wurde. „Nachdem Hitler“ – so besagt unser damaliger Bericht – „die auf dem Vorplatz aufgestellten SS-Mannschaften begrüßt hatte, betrat er, von stürmischen Heilrufen der sich erhebenden Menge empfangen, das Zelt. Von einem Podium aus, vor einer NSDAP-Standarte stehend, hielt er nach einigen begrüßenden Worten des Gauleiters Jordan seine Ansprache, die öfter von stärkerem Beifall unterbrochen wurde.“ In seiner Rede begründete er, warum er sich am 13. August 1932 nicht an der Regierung beteiligt hatte. Mit überlegenem Spott führte er aus, er sei in den Zug nicht eingestiegen, weil er nicht die Absicht habe, ein paar Monate später wieder auszusteigen. Er steige grundsätzlich nicht in einen Zug ein, der erstens ganz woandershin fahre, als er wolle, und von dem er zweitens wisse, dass er entgleisen werde. Wenn man wisse, dass die 14 Millionen der Bewegung das letzte Aktivum Deutschlands seien, dann dürfe man sie nicht leichtfertig in eine Aktion einsetzen, die man von vornherein als verfehlt ansehe. Nachdrücklich bestand Adolf Hitler auf seinem Recht, die Führung des Volkes zu übernehmen. Seine ungemein zielbewusste Rede gipfelte, wie unserem Bericht zu entnehmen ist, darin, dass er erklärte: „… die Führung wolle er, und er werde sie erhalten, weil die Herren drüben bald fertig seien. Alles sei möglich, aber ganz unmöglich sei, dass er kapituliere. ‚Und wenn die Herren’, so schloß er, ‚mir sagen, dann würde ich nicht in ihre Gesellschaft aufgenommen, so antworte ich ihnen: Meine Gesellschaft ist sehr umfangreich, und sie genügt mir vollständig, denn sie ist das Volk, dem ich entstamme und dem ich angehöre’“.

Diese Rede schaffte Klarheit, sowohl bei denen, die fürchteten, der Führer habe seine Chance verpasst, wie bei denen, die hofften, seine Kampfkraft sei gemindert. Mit stürmischem Beifall wurden die Ausführungen von der Versammlung im Zelt aufgenommen. Der Führer aber, der von Essen gekommen war, begab sich nach Magdeburg, wo er die gleichen Forderungen in einer großen Kundgebung aufstellte.

Jahre sind seitdem vergangen. Der Führer hat inzwischen die Not gebannt; er hat ein machtvolles Großdeutschland geschaffen, in dem ein freies, wehrhaftes Volk unermüdlich am Werk ist. Uns aber ist es gut, dann und wann den Blick zurückzuwenden zu jenen Jahren, da wir am Abgrund standen und da er unbeirrbar seinen Weg ging, um die Herzen dieses Volkes ringend, das er zu neuem Aufstieg zu führen versprach. Er hat Wort gehalten! Das ist uns tiefste Verpflichtung!
(Der Führer in Halle Eine Erinnerung an die großen Kundgebungen im Jahre 1932, von Dr. Werner Grohmann)

Zeitungsmeldungen der Hallischen Nachrichten

2. Juni 1943: Unser Gau spendete 1.129.085 RM / zur zweiten Haussammlung für das Kriegshilfswerk / Die am 28. Mai durchgefürte 2. Haussammlung für das Kriegshilfswerk für das Deutsche Rote Kreuz hat wiederum ein gesteigertes Ergebnis aufzuweisen gegenüber der 1. Haussammlung vom 18. April ... An diesem stolzen Erfolg sind die Kreise Halle (Stadt) mit 176.947,03 RM und der Saalkreis mit 61.632,22 RM beteiligt.

Eine gemeine Beleidigung / Brehna. Wegen Beleidigung hatte sich die 42jährige Minna R. aus Brehna vor der 1. Strafkammer in Halle zu verantworten. Sie hatte am 12. April d. J. von einem gewissen B. gesagt: "Der liebe Gott hat ihn schon gestraft, aber noch nicht genug!" Die besondere Gemeinheit dieser Beleidigung liegt darin, daß die Angeklagte mit der "Strafe", von der sie sprach, meinte, daß der Sohn des B. den Heldentod für das Vaterland erlitten hatte. Die Strafe mußte daher fühlbar ausfallen und lautete, obwohl die Angeklagte bisher nicht bestraft war, auf sieben Monate Gefängnis.

1. Juli 1943: Mitteldeutschland / Gegen die Felddiebstähle / Der Regierungspräsident in Merseburg gibt bekannt: "Trotz des bestehenden Verbots des unbefugten Betretens und Befahrens bestellter und noch nicht abgeernteter Felder und Wiesen sowie der Aecker, deren Bestellung in Angriff genommen oder vorbereitet ist, wird mir von den mit der feld- und forstpolizeilichen Aufsicht betrauten Dienststellen eine erhebliche Zunahme der Felddiebstähle gemeldet ..."

3./4. Juli 1943: Tag der HJ-Sondereinheiten / Gebietswettkämpfe der Hitler-Jugend in Halle / In Halle werden an diesem Wochenende zum "Tag der Sondereinheiten" die Gebietswettkämpfe der Marine-, Flieger- und Nachrichten-Hitler-Jugend durchgeführt ... Am Sonnabendvormittag finden die technischen Wettkämpfe der Nachrichten-HJ in der Luftnachrichtenschule und auf der Peißnitzwiese gegenüber der Heeresentlassungsstelle statt. Die Modellflieger führen ihre Wettkämpfe am Sonnabendvormittag in der Segelflugübungsstelle Franzigmark durch, während sich die fliegerhandwerklichen Wettkämpfe in der NSFK-Segelflugwerkstatt Pfäzerstraße 22 abwickeln. Ebenfalls am Sonnabendvormittag tragen die Marine-Hitkerjungen ihre marinetechnischen Wettkäpfe an der Nachtigalleninsel aus ...

1. November 1943: Rokokogesellschaft bei Spiel und Tanz / Veranstaltung des BDM-Werkes "Glaube und Schönheit" / Zu einer frohen Stunde mit "Lied, Spiel und Tanz um Achtzehnhundert" hatte gestern das BDM-Werk "Glaube und Schönheit" des Bannes Halle zahlreiche Gäste in den Thalia-Saal gebeten. ... Voll natürlicher Anmut fügten sich alle in ihre Rolle ein und verliehen so dem Fest von anno dazumal einen farbenfrohen Glanz. Mit herzlichem Beifall dankten die Gäste, unter ihnen Gebietsmädelführerin Käthe Lorenz, für die gelungenen Darbietungen.

Künstler als Kämpfer für nationalsozialistische Ideale / Unser Gauleiter sprach auf der Kundgebung der Kulturschaffenden in Halle - Hans Jungnickel Träger des ersten Gaukulturpreises

Leben in Halle während der NS-Zeit

Kinos (11): Ufa Alte Promenade, Ufa Ritterhaus, Ufa Riebeckplatz, CT Gr. Ulrichstr. 51, Ringtheater (Waisenhausring 8), Schauburg (Gr. Steinstr.), To-Bü (Ammendorf), Troli (Trotha-Lichtspiele), Oli, Capitol, Burgtheater

Rüstungsgüter aus Halle/Saale

Auf den im Zweiten Weltkrieg hergestellten Waffen waren keine Herstellernamen zu finden. Damit der Feind die Waffen nicht Herstellungsorten und damit möglichen Angriffszielen zuordnen konnte, verwendeten alle Hersteller spezifische, aus drei Buchstaben bestehende Kürzel.

ahq Weise & Monski, Halle/Saale, Postfach 66
cdr Hallesche Maschinenfabrik u. Eisengießerei, Halle/Saale, Merseburger Str. 154
ckb Hallesche Röhrenwerke A.G., Halle/Saale
dqy Weise Söhne, Pumpenfabrik, Halle/Saale
dte Hallesche Autobeleuchtung, Fischer u. Röhle Halle/Saale, Krausenstr. 6
dtt Maschinenfabrik Arthur Vondran, Halle-Büschdorf, Äußuere Delitzscher Str. 38
dxl Gottfried Lindner A.G., Wagen- u. Waggonfabrik, Ammendorf b/Halle

Bombenangriffe auf Halle
Halle an der Saale erlebte im Zweiten Weltkrieg weit mehr Fliegeralarme, als die hier dokumentierten Bombenangriffe verraten. Der Zeitzeuge Wilhelm Blume dokumentierte mehr als 500 in seinen Niederschriften. Im Jahr 2003 brachte der Journalist Ernst Ludwig Bock auf dieser Grundlage das Taschenbuch "Halle im Luftkrieg: 1939-1945" heraus. Strategische Ziele waren unter anderem die Siebel-Flkugzeugwerke, der Güterbahnhof und die Maschinenfabrik. Doch die Sirenen heulten in Halle auch, wenn einige bedeutende Ziele in der Nachbarschaft angegriffen wurden. Im damals hochindustrialisierten mitteldeutschen Raum gab es zahlreiche solche Ziele (Leuna, Dessau, Leipzig, Bitterfeld). Auf einer streng geheimen Liste (Fish Code) befanden sich seit Ende 1941 die Decknamen von 43 deutsche Städten, die zur Bombardierung vorgesehen waren. Halle am der Saale hatte den Deckname "Pickerel" (Hecht), das benachbarte Leipzig war als "Haddock" (Schellfisch) verzeichnet. Mehr zu dem Thema schrieb Ernst-Ludwig Bock in seinem 2002 erschienenen Buch "Halle im Luftkrieg. 1939-1945". Die ersten Bomben fielen auf Halle im August und am 20. November 1940. Zwei schwere Luftangriffe erlebte Halle am 7. Juli und am 16. August 1944. Dabei wurden die Siebelwerke im Norden der Stadt massiv getroffen. Etliche Gebäude der benachbarten Siedlung wurden in Mitleidenschaft gezogen und einige Bombentrichter auch auf dem Gertraudenfriedhof gezählt. Am 2. November 1944 trafen die als Hilfslazarett eingerichtete Pestalozzischule. Am 25. November 1944 fielen Bomben auf Halles Süden und Osten. Am 19. Februar 1945 flogen Tiefflieger über die Stadt. Am 27. Februar 1945 griffen 314 Liberator B-24 an und warfen 724 Tonnen Bomben auf Halles Bahnhofsgegend und den Süden (Chemiefabrik mit Giftgasproduktion, Waggonhersteller mit Waffenproduktion in Ammendorf) ab. Die offizielle Zahl der Luftkriegstoten lag zum Kriegsende am 17. April 1945 bei 1282. Damit war Halle im Vergleich zu zahlreichen anderen deutschen Städten glimpflich davongekommen. 3600 Gebäude mit 13.000 Wohnungen sowie 400 Betriebsstätten waren zerstört oder beschädigt.

Engländer, Royal Air Force (RAF)

12/13 March 1945
81 Mosquitos to Berlin and 3 each to Halle, Magdeburg and Stendal

20/21 March 1945
Support and 70 training aircraft on a diversionary sweep over France, 12 Lancasters in a feint raid on Halle, 38 Mosquitos to Berlin, 27 to Bremen and 16 to Kassel, 47 RCM sorties, 55 Mosquito patrols, 9 Lancasters minelaying off Heligoland. 3 aircraft lost - 1 Lancaster from the Halle raid and 1 Fortress and 1 Liberator RCM aircraft.

Amerikaner, United States Army Air Forces (USAAF)

12.04.1944
STRATEGIC OPERATIONS (Eighth Air Force): Mission 300: 455 bombers and 766 fighters dispatched to bomb industrial targets at Schweinfurt, Zwickau, Oscheresleben, Schkeuditz, Halle and Leipzig are forced to abandon the mission because of haze and multilayer clouds;

07.07.1944
Of 373 B-24s, 102 hit Lutzkendorf and 64 hit Halle oil plants, 90 hit Bernburg and 73 hit Aschersleben aircraft plants and 8 hit targets of opportunity

16.08.1944
425 B-17s are dispatched to hit Delitzsch air depot (102), the aviation industry at Schkeuditz (92) and Halle (60) and the oil industry at Bohlen (88)

02.11.1944
460 B-17s are dispatched to the Leuna oil installation at Merseburg (383) using PFF; targets of opportunity are Halle (23), Wolfenbuttel (13) and other (17)

27.02.1945
STRATEGIC OPERATIONS (Eighth Air Force): 2 missions are flown. Mission 851: 1,107 bombers and 745 fighters are dispatched to hit road and rail communications at Halle and Leipzig using H2X radar

31.03.1945
369 of 432 B-17s attack the secondary, the marshalling yard at Halle; targets of opportunity are Leipzig (8), Weimar (36), Aschersleben (7) and other (1)

06.04.1945 (zwei Wellen)
1. 183 of 207 B-24s hit the marshalling yard at Halle; 22 others hit Eisleben, a target of opportunity; 2. 430 of 452 B-17s hit secondary targets, the main station and marshalling yard at Leipzig (321) and hit Gera (109); 11 others hit the marshalling yard at Halle

Legende zu englischen Begriffen
feint raid = Ablenkungsmanöver
marshalling yard = Rangierbahnhof
targets of opportunity = Gelegenheitsziele

Wikipedia über den Bombenkrieg gegen Halle

Bomben- und Granatfunde aus Weltkriegsbeständen nach 1945
27.10.2011 - 250 Kilogramm, auf der Ostseite des Elisabeth-Krankenhauses an der Mauerstraße, Fund bei Bauarbeiten, Evakuierung 400 Meterradius um den Fundort, 20.000 Hallenser betroffen, Entschärfung vor Ort und Abtransport
11.01.2012 - 125 Kilogramm, USA-Bauart, Elsterbrücke Halle-Ammendorf, bereits entschärftes Exemplar
15.02.2012 - 125 Kilogramm, USA-Bauart, Elsterbrücke Halle-Ammendorf, bereits entschärftes Exemplar
23.02.2012 - zwei amerikanische Fliegerbomben Elsterbrücke Halle-Ammendorf, bereits entschärftes Exemplar
29.08.2012 - Flakgranate, deutsches Fabrikat, Fund auf dem ehemaligen Kasernengelände in Halle-Wörmlitz, kontrollierte Sprengung
20.11.2014 - zwei 50 Kilogramm-Bomben, reichsdeutsche Fabrikate, Heide-Süd, ehemaliges Garnisionsgelände, Umkreis von 250 Meter evakuiert, kontrollierte Sprengung
18.02.2015 - 125 Kilogramm, USA-Bauart, Güterbahnhof Halle nordöstlich der Berliner Brücke, Radius von 500 Metern um die Bombe geräumt, Fund am Nachmittag des 18.02.2015 bei Bauarbeiten, Sprengung am 19. Februar 2015 kurz nach 14 Uhr.
17.02.2017 - 250 Kilogramm, am Güterbahnhof Halle, Fund gegen 10.30 Uhr bei Bauarbeiten am Knoten Halle

Orte des NS-Zwangsarbeiter-Systems in Halle an der Saale
114 Arbeitslager und Sammelunterkünfte für Zwangsarbeiter gab es in Halle, ergab ein Forschungsprojekt der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Roter Ochse.

Architekt W. Fricke
Born & Dr. Richter
Hermes Papierfabrik Halle
Siebel Flugzeugwerke GmbH
KZ-Außenlager Birkhahn

Bunker in Halle
Per Führererlass wurden seit 1940 im gesamten Reichsgebiet Bunker gebaut. Die Bunker in Halle an der Saale wurden 1942 in einem Bunkerbuch dokumentiert. Deutsche, Italiener und Kriegsgefangene kamen beim Bunkerbau zum Einsatz. Das größte Bauwerk entstand unter dem Platz der SA unweit des Hauptbahnhofs Halle. Die Firma Peter Bauwens brachte die Bauten 5 und 5a in den Jahren 1940 bis 1942 unter die Erde. Sie bildeten ein großes Dreieck mit Kantenlängen bis 65 Meter und boten über 1000 Menschen Platz.

Bunkerstandorte:
1. Platz der SA (heute: Georg-Schumann-Platz unter dem Parkplatz, im Sommer 2006 während der Bauarbeiten an der Franckestraße für Stabilisierungsarbeiten kurzzeitig am Eingang A geöffnet)
2. Freiimfelder Straße (am Straßenbahndepot)
3. Garten der Moritzkirche
4. Fichteplatz in Ammendorf (heute Karl-Pilger-Straße)
5. Auenstraße unter einem Spielplatz (heute: Albert-Ebert-Straße)
6. Helmut-Just-Straße (Siebel-Flugzeugwerke, seit 1957 durch eine Lüftungstechnik-Firma genutzt, Abriss 2010 für Wohnungsneubau durch die WG Frohe Zukunft)
7. Universitätsplatz (Platz vor dem Löwengebäude)

weitere Links zum Thema
Luftangriffe auf Halle (Wiki)
Gedenkbuch für die Holocaust-Opfer in Halle Saale
Siebel Flugzeugwerke